Glossar

AfD

Die AfD ist eine extrem rechte Partei. Dies lässt sich mit Blick auf das inhaltliche Programm, die Entwicklung der Partei und ihre zentralen Politikerinnen belegen. So vertritt die AfD ein Menschen- und Gesellschaftsbild, in dem nicht alle Menschen gleichwertig sind. Seit ihrer Gründung 2013 lässt sich in der Geschichte der Partei ein Radikalisierungsprozess beobachten. Die Partei ist zudem ein Sammelbecken für Neonazis, Rassistinnen und Verschwörungstheoretiker*innen. Aktuell ist die AfD die erfolgreichste extrem rechte Partei in Deutschland.

Anfeindung politischer Gegner*innen

Die Anfeindung politischer Gegnerinnen umfasst Äußerungen und Handlungen, die sich gegen Personen und Gruppen richten, welche von extrem rechten Akteurinnen als Gegner*innen definiert werden. Entsprechende Aktionen reichen von verbalen Anfeindungen, Einschüchterungen und Bedrohungen bis hin zu körperlichen Angriffen. Das Ziel ist dabei, politisches Engagement zu delegitimieren oder zu unterbinden.

Antifeminismus

Antifeminismus ist eine Haltung und Bewegung, die sich gegen feministische Anliegen sowie die grundlegende Gleichstellung von Geschlechtern richtet. Angestrebt wird der Erhalt traditioneller Geschlechterrollen und einer patriarchalen Gesellschaftsordnung. Konkret äußern sich antifeministische Kampagnen oder Einstellungen oft in sexistischer, frauenfeindlicher (misogyner) sowie trans- und queerfeindlicher Weise. Argumentationsgrundlage ist häufig eine vermeintlich natürliche Ordnung, laut der es keine sexuelle oder geschlechtliche Vielfalt gibt.

Antiromaismus

Antiromaismus bezeichnet eine Form des Rassismus, die sich insbesondere gegen Sintizze und Romnja richtet. Er äußert sich in der Herabwürdigung von Kultur und Lebensweisen, in Zuschreibungen, Ausgrenzung, (struktureller) Diskriminierung und Gewalt bis hin zu Völkermord. Im Nationalsozialismus wurden 500.000 Sintizze und Romnja ermordet. Die Vorurteile bestehen dabei unter anderem in der Unterstellung einer Neigung zu Kriminalität, fehlender Sesshaftigkeit und Faulheit. Teilweise wird das Phänomen auch mit dem Begriff des „Antiziganismus“ gefasst. Dieser wird allerdings aufgrund der Ableitung aus dem diskriminierenden „Z-Wort“ kritisiert, das bereits im Nationalsozialismus als rassistische Kategorie genutzt wurde.

Antisemitismus

Antisemitismus bezeichnet die Feindschaft gegen JüdinnenJuden und das als jüdisch Wahrgenommene. Im antisemitischen Weltbild geht von ihnen eine verborgene, übermächtige Bedrohung aus. Im Nationalsozialismus wurden sechs Millionen JüdinnenJuden ermordet. Ziel war die Vernichtung des Judentums. Seit dem Holocaust wird Antisemitismus in Deutschland seltener offen geäußert, dafür gibt es subtilere Formen des sekundären Antisemitismus (z.B. Täter-Opfer-Umkehr, Holocaust-Leugnung). Heute beziehen sich antisemitische Vorstellungen und Projektionen auch auf Israel als jüdischen Staat, dem oft die Existenzberechtigung abgesprochen wird.

Behindertenfeindlichkeit

Behindertenfeindlichkeit (Ableismus) bezeichnet die Diskriminierung von und Gewalt gegen Menschen mit (zugeschriebener) Behinderung sowie chronischen Erkrankungen. Der Begriff fasst sowohl die strukturelle Ebene (z.B. fehlende Rampen an öffentlichen Gebäuden) als auch die individuelle Ebene (z.B. verbale oder körperliche Angriffe). Behindertenfeindlichkeit hat eine lange Geschichte und äußerte sich im Nationalsozialismus in der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderung, auch als „Euthanasie“ bezeichnet.

Nationalismus

Nationalismus bezeichnet die Überhöhung der eigenen Nation bei gleichzeitiger Abwertung und Ausgrenzung anderer Nationen und der mit ihnen identifizierten Menschen. Die Nation wird dabei als überzeitliche Gemeinschaft verstanden, der individuelle Interessen untergeordnet werden. Rituale, Symbole und nationale Mythen tragen zur Vorstellung und Stabilisierung der Nation bei. Im völkischen Nationalismus wird die Nation rassistisch über Abstammung definiert. Eine homogene „Volksgemeinschaft“ war eines der Hauptziele des Nationalsozialismus.

Neonazismus

Der Begriff Neonazismus bezeichnet eine nach 1945 entstandene Bewegung, die ideologisch an den historischen Nationalsozialismus anknüpft. Neonazis streben einen autoritären Führerstaat und eine „Volksgemeinschaft“ an, die auf rassistischer Ausgrenzung beruht. Weitere Kernelemente neonazistischer Positionen sind Antisemitismus, ein soldatisches Männlichkeitsideal und die Ablehnung von Geschlechterdiversität zugunsten eines binären Geschlechterbildes.

Neue Rechte

Der Begriff „Neue Rechte“ ist die Selbstbezeichnung einer in den 1960er-Jahren entstandenen intellektuellen Erneuerungsbewegung der extremen Rechten in Europa. Im Gegensatz zur offen faschistischen bzw. nazistischen „alten Rechten“ grenzt sich die Neue Rechte strategisch vom historischen Faschismus und Nationalsozialismus ab. So wird zum Beispiel wird die Vorstellung einer erhaltenswerten Vielfalt verschiedener Völker („Ethnopluralismus“) mit angeblich unveränderlichen und klar voneinander abzugrenzenden Kulturen vertreten – in Abgrenzung zu einem offensichtlichen biologistisch begründeten Rassismus. Ziel ist dabei die Verschiebung gesellschaftlicher Diskurse als Voraussetzung für die Erringung politischer Macht.

Queerfeindlichkeit

Queerfeindlichkeit beschreibt die Diskriminierung, Abwertung oder Anfeindung von Menschen, die queer sind – sich also nicht einer binären, cisgeschlechtlichen oder heterosexuellen Norm zuordnen. Sie umfasst ebenso Anfeindungen aufgrund einer zugeschriebenen Zugehörigkeit zur queeren Community, etwa aufgrund stereotyper Vorurteile. Die zugrundeliegenden Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität als natürlich oder selbstverständlich sind historisch gewachsen und sozial konstruiert.

Rassismus

Rassismus umfasst Einstellungen, Handlungen und gesellschaftliche Strukturen, die Menschen aufgrund zugeschriebener Merkmale in „Rassen“ oder homogene Gruppen einteilen und hierarchisch bewerten. Diese Einteilung legitimiert Diskriminierung bis hin zu Gewalt und dient der Aufrechterhaltung von Macht-, Ausbeutungs- und Privilegienverhältnissen. Rassistische Zuschreibungen einer Kultur oder Herkunft werden dabei als unveränderbar und einheitlich konstruiert. Historisch bildet Rassismus eine Grundlage kolonialer Gewaltherrschaft, indem Unterdrückung, Enteignung und Versklavung als natürlich oder notwendig gerechtfertigt wurden. Rassismus wird über Gesetze, Sprache, Medien und alltägliches Handeln reproduziert.

Reichsbürger

Reichsbürgerinnen lehnen die Bundesrepublik Deutschland, deren Rechtssystem und Gewaltmonopol ab. Stattdessen berufen sie sich auf Gesetze und Staatsgrenzen des Deutschen Reiches, von dem sie glauben, dass es seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs von Fremdmächten besetzt ist. Ihre politische Ideologie ist geprägt von Verschwörungstheorien, Antisemitismus und Rassismus. Sie verweigern Steuern und erkennen amtliche Dokumente nicht an. Immer wieder fallen Reichsbürgerinnen durch Gewalt gegenüber Beamt*innen, Bewaffnung und Ausübung von Waffengewalt auf.

Religiöser Fundamentalismus

Religiöser Fundamentalismus beschreibt die strikte Auslegung und gesellschaftliche Durchsetzung religiöser und antipluralistischer sowie antimoderner Glaubenssätze. Er tritt meist missionarisch oder agitatorisch auf. Das umfasst Abwertungen bis hin zu Angriffen auf Menschen, die diesen Weltbildern nicht entsprechen oder folgen wollen. Beispielsweise zielt religiöser Fundamentalismus auf die Festschreibung antifeministischer Geschlechter- und Familienbilder und richtet sich damit gegen queere Lebensweisen und reproduktive Rechte.

Sozialdarwinismus

Im sozialdarwinistischen Weltbild werden Prinzipien aus der Natur- und Tierwelt auf menschliche Gesellschaften übertragen und soziale Verhältnisse als Ergebnis eines „Überlebens des Stärkeren“ gedeutet. Ungleichheit erscheint dabei als naturgegeben oder sogar als erstrebenswert. Sozialdarwinismus äußert sich in der Abwertung von armen, wohnungslosen oder sozial benachteiligten Menschen und weist somit inhaltliche Überschneidungen zu Klassismus auf.

Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien basieren auf einem Weltbild, in dem gesellschaftliche Entwicklungen durch eine kleine, geheime und machtvolle Gruppe gesteuert werden. Ein wichtiges sprachliches Bild ist das der Marionette, die von geheimen Mächten als Strippenzieher im Hintergrund gelenkt wird. Die Welt wird vereinfachend in Gut und Böse unterteilt. Häufig enthalten Verschwörungstheorien antisemitische Motive, die Jüdinnen*Juden als angebliche Drahtzieher verantwortlich machen, und sind oft anschlussfähig für menschenverachtende Einstellungen.

Zuletzt aktualisiert am 14.03.2026