Alexander Wiesner – Arbeitgeber für Rechtsterroristen und Oberbürgermeisterkandidat der AfD

06.10.2026

Zur Leipziger Oberbürgermeisterwahl am 21. Februar 2027 wurden bisher 14 Personen von ihren Parteien und Vereinen als Kandidat*innen nominiert.[1] Für die AfD tritt der Landtagsabgeordnete Alexander Wiesner an. Wer ist der blasse Kandidat, der mutmaßliche Rechtsterroristen beschäftigte?

Am 26. September 2026 wurde Alexander Wiesner auf dem Nominierungsparteitag der AfD zum Kandidaten für die Leipziger Oberbürgermeisterwahl im Februar 2027 gewählt. „[Ü]ber 60 stimmberechtigte Mitglieder“ wählten Wiesner, nach Angaben der AfD mit mehr als 93,2 Prozent der Stimmen. Gegenkandidat*innen gab es keine. Wenige Wochen zuvor hatte der Kreisvorsitzende der AfD Leipzig, Siegbert Droese (MdEP), als PR-Stunt noch den Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla ins Gespräch gebracht, dieser sagte jedoch kurz darauf ab. Vermutlich weiß er um die aussichtslose Lage der AfD im Kampf um das Oberbürgermeiter-Amt in Leipzig. Es ist unwahrscheinlich, dass der nominierte Kandidat Alexander Wiesner wesentlich mehr als 20 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen wird. In einer Pressemitteilung zur Nominierung wird Wiesner mit folgenden Worten zitiert: „Wir brauchen eine Politik, die die realen Interessen der Leipziger in den Mittelpunkt stellt, anstatt sich in ideologischen Projekten zu verlieren. Sicherheit, Ordnung und wirtschaftliche Vernunft müssen in dieser Stadt wieder oberste Priorität haben.“[2]

Alexander Wiesner wurde 1989 in Oschatz geboren und zog nach seinem Abitur 2007 nach Leipzig. Nach dem Beginn eines Studiums der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Leipzig schließt Wiesner an der Berufsakademie Leipzig das Studium „Interdisziplinäres Vermögensmanagement, Fachrichtung Steuerberatung/Wirtschaftsprüfer" ab. In einem Tag24-Artikel[3] beschreibt Wiesner, wie er bereits 2012 zu der erst Jahr 2013 gegründeten AfD gelangt sei: Ein Angriff von zwei Kosovaren, welche ihn ausgeraubt hätten, daher müsse das Land wieder sicherer gemacht werden. Beigetreten ist er der Partei allerdings erst 2017. Seit 2019 ist Wiesner Landtagsabgeordneter, 2024 zog er über Listenplatz zehn erneut in den sächsischen Landtag ein. Bei den Erststimmen (13,2 Prozent) unterlag er im Wahlkreis „Stadt Leipzig 4“ Juliane Nagel (Die Linke, 36,5 Prozent) sowie Jessica Steiner (CDU, 22 Prozent) deutlich. Von 2020 bis 2024 war Wiesner Vorsitzender der mittlerweile aufgelösten Jugendorganisation der AfD in Sachsen, der Jungen Alternative Sachsen. Er ist Alter Herr der pflichtschlagenden Studentenverbindung Corps Saxonia Leipzig.

Einige Bekanntheit erlangte Wiesner, weil er zwei mutmaßlichen Mitgliedern der rechtsterroristischen Gruppe „Sächsische Separatisten“, Kurt Hättasch und Kevin Richter, beschäftigte. Dies ist wenig verwunderlich, waren beide doch über die AfD und die Jungen Alternative schon länger mit Wiesner bekannt, gemeinsam organisiert und teilten politische Weltsichten. Nach Angaben von Wiesner wurden die Arbeitsverhältnisse beendet. Die Bundesanwaltschaft wirft den acht als „Sächsische Separatisten“ angeklagten jungen Männern vor, sich auf einen „Tag X“ vorbereitet zu haben. Ziel dessen sollte es sein, „bei dieser Gelegenheit mit Waffengewalt möglichst große Gebiete in Sachsen erobern, um dort einen eigenständigen, an der Ideologie des Nationalsozialismus ausgerichteten Staat zu errichten“. [4] Seit Januar 2026 stehen die Angeklagten vor dem Oberlandesgericht Dresden, der Prozess wird sich voraussichtlich bis Mitte 2027 ziehen.

Die Beschäftigung von mutmaßlichen Rechtsterroristen führte Ende 2024 dazu, dass Wiesner im Landtag vom Vorsitz des Ausschusses für Verfassung, Recht und Europa abberufen werden sollte: „Als Abgeordneter, der derart intensive arbeitsrechtliche wie politische Näheverhältnisse zu mutmaßlichen Rechtsterroristen unterhielt bzw. unterhält sowie einer erheblich radikalisierten rechtsextremistischen Jugendorganisation vorstand, kann Herr Alexander Wiesner nicht das repräsentative Gesicht des Ausschusses sein, der sich mit Fragen des Verfassungsrechts, der Justiz und des Rechtsstaats sowie der nachbarschaftlichen Beziehungen und des Zusammenwachsens Europas beschäftigt.“[5] Im März 2025 erfolgte die Abwahl.

Zur Oberbürgermeisterwahl 2027 können sich Alexander Wiesner und die AfD keine realistischen Chancen ausrechnen. Bei der letzten Oberbürgermeisterwahl 2020 erreichte der AfD-Kandidat Christoph Neumann lediglich 8,7 Prozent und trat nicht mehr zum zweiten Wahlgang an. Bei der letzten Kommunalwahl 2024 erreichte die AfD 17,0 Prozent und landete damit hinter Die Linke und CDU auf Platz drei.

Fußnoten

[1] Wahlvorschläge können noch bis 17. Dezember 2026 eingereicht werden. Übersicht über die bisherigen Kandidat*innen zur Oberbürgermeisterwahl in Leipzig online abrufbar unter: https://stimmzettel-leipzig.de/.

[2] Pressemitteilung AfD Leipzig vom 26.09.2026.

[3] Tappert, Andreas (2026): Leipzigs OB-Bewerber Wiesner (AfD) will Rathaus umkrempeln: „Bereit, unbequeme Entscheidungen zu treffen“ In: tag24 vom 05.10.2026, online abrufbar unter: https://www.tag24.de/leipzig/buergermeisterwahl/afd-kandidat-alexander-wiesner-wer-ist-der-unbekannte-herausforderer-in-leipzig-3537189.

[4] Generalbundesanwalt vom 10.09.2025: Anklage gegen acht mutmaßliche Mitglieder einer rechtsextremistischen terroristischen Vereinigung erhoben, online abrufbar unter: https://www.generalbundesanwalt.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/Pressemitteilung-vom-10-09-2025.html.

[5] Antrag vom 24.01.2025: Abberufung des Vorsitzenden des Ausschusses für Verfassung, Recht und Europa (Drs.-Nr.: 8/1347), online abrufbar unter: https://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=1347&dok_art=Drs&leg_per=8&pos_dok=0&dok_id=undefined.

Zuletzt aktualisiert am 06.10.2026